Donnerstag, 27. Oktober 2011

Papa


Mein Papa.
Mein Papa war ein toller Mann. Zumindest weiß ich das aus Erinnerungen und Erzählungen.
Er ist mit 40 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
Bumms Bäng Poof..
Einfach weg. An einem regnerischem Mai-Mittwoch 1997.
Durch Aquaplaning auf der Autobahn in die Leitplanke gerauscht und der nachkommende LKW konnte nicht mehr bremsen.
Soweit ich weiß waren die letzten Worte meines Papas mein Name und der Name meiner Mutter.
Er hat noch einige Stunden gekämpft, erst am Unfallort und dann im Krankenhaus, aber die inneren Verletzungen waren zu schlimm.
Es ist so unfair, denke ich manchmal. Es gibt immer noch tausend Sachen, die ich ihn fragen möchte. Tausend Themen, die ich nie mit ihm diskutieren kann. Er kann sich nie über einen Mann in meinem Leben ärgern. Ich kann ihm nie zeigen, was für eine Person ich bin. Als Kind bist du ein Kind und dein Vater liebt dich, ganz klar.
Aber würde er auch mit mir als "fertige" Person klar kommen? Würden wir dieselben Ansichten teilen? Oder wäre es ganz anders? Dass er mich lieb hatte, weiß ich. Aber nichts desto trotz bleibt immer dieses kleine "was wäre gewesen wenn"?
Hätte mein Vater überlebt, sähe mein Leben wohl ganz anders aus. Er wäre für immer ein Pflegefall gewesen undhätte nur noch vegetiert. Er hätte weder mich, noch meine Mutter erkannt. Deswegen bin ich "froh" dass es so ist, wie es ist.
Er war Beamter beim Land NRW, des weiteren war der Unfall auf einer arbeitsbezogenen Fahrt. Ohne das Geld, das uns damals zustand, wären viele Dinge niemals möglich gewesen. So konnten wir über Weihnachten flüchten und mussten an diesen Tagen nicht mit der Familie umgehen, das war nur gesund. Mit dem Geld konnte ich mein Auslandsjahr in der Oberstufe wahr machen, 9 Monate Texas. Ironisch, dass der Mann der mit Bus und Bahn zur Arbeit fuhr, während der Arbeit einen tödlichen Autounfall hatte.
Ohne den Tod meines Papas wäre ich wohl heute nicht der Mensch der ich bin. Positiv wie auch negativ.

Vielleicht wusste ich es damals an dem Morgen, dass ich ihn nie lebendig wiedersehen würde. Denn genau an diesem bestimmten Morgen bin ich ihm das erste Mal seit langem hinterhergelaufen um ihn nochmal zu "knutschern" und umarmen.

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