Freitag, 14. Oktober 2011

bitch

Berlin. Du sitzt hier, im Herbst, bei Regen und Schmuddelwetter. In der neuen Stadt. In der neuen Heimat. Und eigentlich ist es auch ok. Eigentlich geht es dir gut, du hast eine schöne Wohnung, deine Arbeitskollegen sind nett, der Job an sich ok und du hast auch direkt um die Ecke zwei gute Freunde wohnen.
Und doch laufen die Tränen, denn du weißt, dass irgendwas fehlt.
Sie fehlt.

Sie. Die Person, mit der du alles teilst. Von der die Entzugserscheinungen immer größer werden. Bei der du Angst hast, dass du sie beim nächsten Wiedersehen schon nicht mehr erkennen wirst. Dass man sich verändert hat. Ihr habt fast jedes Wochenende miteinander verbracht und wenn nicht, dann schon auf das nächste gefiebert. Wobei ihr gar nichts großartiges gemacht habt. Einen Harry-Marathon mit anschliessender großer Diskussion. Oder auch mal die ein oder andere Folge Gilmore Girls. Canasta zocken. Spiel des Wissens spielen, bei dem in der UdSSR noch der Rubel rollt. Früh ins Bett und dann doch noch bis zum Morgengrauen quatschen. Sich gegenseitig ausstechen beim Spiel "Hab einen", wo der andere raten muss, welche Person man sich gerade ausgedacht hat. Aber nur Männer. Musiker, Schauspieler, Politiker, Romanfiguren, was auch immer.

Mitternacht-Margeritas um 21 Uhr trinken und feststellen, dass sie zum Kotzen schmecken.

Stundenlang im gleichen Raum sein und doch nicht reden.

Einander ansehen und wissen, was der andere denkt.

Verständnis und Unterstützung, bedingungslos und rund um die Uhr.

Solange lachen, bis der Bauch weh tut und man Pipi muss.

Solange weinen, bis der Schmerz erstmal wieder gut weggesperrt ist.

Ich frage, wie nah kann die Liebe an eine Freundschaft heran kommen? Kann sie dasselbe? Kann die Liebe das gleiche Gefühl auslösen, wie meine Freundschaft zu dir? Ich weiß es nicht mehr, ich war lange nicht mehr verliebt. Ich weiß nur eins ganz sicher. Dass ich dich vermisse. Jeden Tag ein kleines Stückchen mehr. Wir telefonieren, wir schreiben Nachrichten und das alles. Und doch fehlt was.
Dass sich die Entfernung auf unsere Freundschaft auswirken würde, war uns beiden klar. Aber dass Entfernung so eine Bitch sein Kann, übverrascht dann doch.

Ich weiß, dass wir zu gut befreundet sind, um einfach sang- und klanglos auseinander zu gehen. Um irgendwann dann einfach nicht mehr voneinander zu hören. Das wird nicht passieren, dessen bin ich mir sicher.

Aber es ist, wie es ist. Ich vermisse dich. Noch 70 Tage...

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